Lesedauer: 18 Minuten | Niveau: Absoluter Anfänger | Budget: 400–900€
Inhaltsverzeichnis
- Bevor du anfängst
- Rechtslage Deutschland 2025
- Indoor vs. Outdoor
- Genetik: Autoflower vs. Photoperiodisch
- Equipment & Budget
- Dein Grow in Phasen
- Typische Anfänger-Fehler
- Kosten-Nutzen-Rechnung
- Häufige Fragen (FAQ)
- Fazit
Bevor du anfängst: Die unbequeme Wahrheit
Lass uns ehrlich sein: Dein erster Cannabis-Grow wird nicht perfekt. Du wirst Fehler machen. Blätter werden gelb werden. Vielleicht überlebt deine erste Pflanze nicht mal bis zur Ernte.
Und das ist völlig okay.
Dieser Guide zeigt dir nicht, wie du beim ersten Mal 500g erntest. Er zeigt dir, wie du mit realistischen Erwartungen startest, die häufigsten Anfängerfehler vermeidest und am Ende stolz dein eigenes Cannabis in der Hand hältst – egal ob 30g oder 100g.
Rechtslage in Deutschland: Was ist erlaubt?
Seit April 2024 ist privater Eigenanbau legal aber mit klaren Grenzen.
✅ Erlaubt:
- Maximal 3 Pflanzen pro volljähriger Person (18+) am Hauptwohnsitz
- Besitz: 50g getrocknetes Cannabis zu Hause, 25g in der Öffentlichkeit
- Anbau für Eigenbedarf (nicht zum Verkauf!)
❌ Verboten:
- Konsum in 100m-Radius um Schulen, Kitas, Spielplätze, Sportanlagen
- Anbau in Anwesenheit von Minderjährigen
- Cannabis unkontrolliert lagern (Kinder/Jugendliche müssen ferngehalten werden)
⚠️ Grauzone: Mietrecht
Dein Vermieter kann dir den Anbau nicht direkt verbieten, solange du niemanden belästigst. Aber:
- Geruchsbelästigung → Abmahnung/Kündigung möglich
- Schimmelgefahr durch hohe Luftfeuchtigkeit = Haftungsrisiko
- Viele neue Mietverträge haben seit 2024 Anti-Anbau-Klauseln (rechtlich umstritten)
👉 Deine Pflicht: Geruch eliminieren (Aktivkohlefilter!), Bausubstanz schützen, Nachbarn nicht stören.
Indoor vs. Outdoor: Was passt zu dir?
Viele Anfänger glauben: „Outdoor ist einfacher!“ – für Deutschland stimmt das nicht.
Indoor (empfohlen)
Vorteile:
- Volle Kontrolle über Klima
- Diskretion (mit Filter)
- Ganzjährig möglich
- Geringes Schimmelrisiko
- Planbare Ernte (10–16 Wochen)
Nachteile:
- Startkosten (400–900€)
- Stromkosten (~40€/Monat)
- Platzbedarf (min. 60×60cm)
👉 Ideal für: Mieter, Stadtbewohner, diskrete Grows.
Outdoor (nur bedingt geeignet)
Vorteile:
- Günstig (Samen + Erde = 50–150€)
- Natürliches Licht, keine Stromkosten
- Große Pflanzen möglich (2m+)
Nachteile:
- Deutsches Klima = Regen, Schimmelgefahr
- Nachbarn und Diebe sehen/merken es
- Geruch nicht kontrollierbar
- Nur Saison Mai–Oktober
👉 Ideal für: Eigenheimbesitzer, ländliche Regionen.
Entscheidungshilfe:
| Kriterium | Indoor | Outdoor |
|---|---|---|
| Budget (Start) | 400–900€ | 50–150€ |
| Diskretion | ⭐⭐⭐⭐⭐ | ⭐ |
| Anfängerfreundlich | ⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐ |
| Ertrag (Qualität) | ⭐⭐⭐⭐⭐ | ⭐⭐⭐ |
| Zeitaufwand/Tag | 30–45 Min | 15–30 Min |
| Schimmelrisiko | Gering | Hoch |
Genetik verstehen: Autoflower vs. Photoperiodisch
Autoflower (für Anfänger)
- Blühen automatisch nach 3–4 Wochen
- 8–12 Wochen bis Ernte
- 40–100cm klein
- Kein Lichtwechsel nötig
👉 Beste Anfänger-Sorten:
- Purple Amnesia - Cannabis Samen (Cali Seeds) | Autoflower
- OG Kush - Cannabis Samen (Cali Seeds) | Autoflower)
-
Sour Diesel - Cannabis Samen (Cali Seeds) | Autoflower
Photoperiodisch (für Fortgeschrittene)
- Blühen erst bei 12h Dunkelheit
- Höherer Ertrag (100–300g)
- Mehr Potenz (20–25% THC)
- Erfordert Licht-Umstellung + Geduld
👉 Beste Einsteiger-Sorten:
- Purple Amnesia
- OG Kush
- Sour Diesel
Equipment & Budget
Mini-Setup (60×60cm)
- Kosten: 400–550€
-
Realistischer Ertrag: 30–60g
Standard-Setup (80×80cm)
- Kosten: 650–900€
-
Realistischer Ertrag: 80–150g
Wichtigste Teile:
- Zelt, LED-Lampe, Abluft + Aktivkohlefilter
- Umluft-Ventilatoren
- pH- & EC-Meter
- Erde, Töpfe, Basisdünger
Dein Grow in Phasen
Keimung (1 Woche)
- Samen direkt in Erde oder Papiertuch-Methode
- 22–25°C, 70% Luftfeuchte
- Nach 3–7 Tagen Keimling sichtbar
Wachstum (2–4 Wochen)
- 18h Licht, 22–26°C, 60–70% LF
- Erste Düngung ab Woche 3
- Bei Photoperiodisch: Training möglich (LST)
Blüte (8–12 Wochen)
- Auto: Automatisch
- Photo: 12/12 Lichtzyklus
- Luftfeuchte senken auf 40–50%
- Geruch wird massiv – Filter muss laufen!
Ernte & Post-Harvest
- Schneiden, Trocknen (10–14 Tage, 18–21°C, 50–55% LF)
- Curen (4–8 Wochen in Gläsern)
- Ergebnis: Premium-Qualität
Typische Anfänger-Fehler
- 🚱 Überwässerung – Erde erst trocknen lassen
- ⚡ Zu viel Dünger – halbe Dosierung starten
- 🌡️ Zu heiß – max. 26°C in Blüte
- 💡 Billige LED-Strips – nutzlos, echte Grow-LED nötig
- 👃 Geruch unterschätzt – Filter immer testen
Kosten-Nutzen-Rechnung
Grow 1:
- Setup + Strom + Samen + Dünger = ~900€
- Ertrag: 80–120g = 800–1.200€ Wert
-
Break-even: ±0€
Grow 2:
- Kosten: ~230€
- Ertrag: 120–180g = 1.200–1.800€ Wert
- Profit: ~1.000€
👉 Ab Grow 2 lohnt es sich wirklich.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich Cannabis in meiner Mietwohnung anbauen?
Ja, aber nur mit guter Geruchskontrolle. Mietrecht ist Grauzone – Filter sind Pflicht.
Merkt mein Stromanbieter den Anbau?
Nein. Eine LED zieht wie ein Kühlschrank. Stromverbrauch ist kein Problem mehr.
Was ist einfacher – CBD oder THC anbauen?
Pflanzen wachsen gleich. Unterschied liegt nur in der Genetik und Wirkung.
Wie viel ernte ich realistisch?
- 60×60cm, 1 Auto: 30–60g
- 80×80cm, 2 Autos: 80–150g
- 120×120cm, 4 Photo: 300–500g
Fazit
Cannabis anbauen ist kein Hexenwerk – aber auch kein „Plug & Play“. Es kostet Geld, Zeit und Nerven. Dein erster Grow ist eine Lernreise, kein Wettbewerb.
👉 Starte klein, bleib diskret, lerne aus Fehlern. Mit jedem Grow wirst du besser – und schon nach dem zweiten bist du deutlich im Plus.
Am Ende zählt nicht nur die Ernte – sondern das Wissen, die Geduld und der Stolz, es selbst geschafft zu haben. 🌱
Quellen
- Bundesministerium für Gesundheit (BMG) – Cannabisgesetz (CanG) 2024
- Deutscher Hanfverband – Anbau & Rechtliche Lage
- GrowDiaries – Internationale Grow-Community mit Praxisberichten
- Royal Queen Seeds – Anfänger-Guides & Sortenempfehlungen
- Sensi Seeds – Grow-Guide und Sorteninformationen
- Grower.ch – Deutsches Grow-Forum mit Erfahrungsberichten
Hinweis:
Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und ersetzen keine fachliche Beratung.