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Ist CBD Öl Appetit anregend?

CBD & Appetit: Einfluss auf Hunger & Essverhalten

Autorin B.A. Nathalie König
Autorin
B.A. Nathalie König
Expertin für Hanf & Cannabinoide, spezialisiert auf Produktberatung und Rechtslage.
🔄 Zuletzt geprüft und aktualisiert: Juli 2026 · Studiendaten verifiziert

Wer nach "CBD und Appetit" sucht, bekommt oft zwei widersprüchliche Antworten: Die einen sagen, CBD mache hungrig wie THC. Die anderen behaupten, es zügle den Appetit. Beides trifft die Sache nur zum Teil. Cannabidiol (CBD) wirkt auf das Hungergefühl anders und deutlich unauffälliger als THC (Tetrahydrocannabinol), das für den bekannten Cannabis-Heißhunger verantwortlich ist. Wie CBD tatsächlich in die Appetitregulation eingreift, was aktuelle Studien zeigen und ob CBD Öl bei Appetitproblemen eine sinnvolle Ergänzung sein kann, erklärt dieser Ratgeber auf Basis der vorliegenden Forschung.

🔑 Das Wichtigste auf einen Blick
  • CBD wirkt nicht wie THC. THC aktiviert CB1-Rezeptoren direkt und löst dadurch Heißhunger aus. CBD bindet kaum an CB1 und hat keinen vergleichbaren Effekt.
  • Eine placebokontrollierte Humanstudie (2025) fand nach einer Einzeldosis von 298 mg CBD eine um rund 193 Kalorien höhere Nahrungsaufnahme, obwohl das Sättigungshormon Ghrelin gleichzeitig sank und das subjektive Hungergefühl unverändert blieb.
  • Bei Krebspatienten mit Appetitverlust zeigen kontrollierte Studien zu Cannabinoiden insgesamt keinen statistisch gesicherten Vorteil gegenüber Placebo, trotz vereinzelt positiver Einzelbefunde.
  • Indirekte Effekte über Stressreduktion, Übelkeitslinderung oder besseren Schlaf sind plausibler als eine direkte appetitsteigernde Wirkung von CBD.
  • Dosis und Kontext entscheiden. Ob CBD eher neutral, leicht anregend oder in Kombinationspräparaten appetitdämpfend wirkt, hängt stark von Menge, Produkt und individueller Ausgangslage ab.
  • CBD ist kein zugelassenes Arzneimittel gegen Appetitlosigkeit, Essstörungen oder krankheitsbedingten Gewichtsverlust.

Grundlagen zu Cannabidiol allgemein liefert unser Überblicksartikel Was ist CBD? Wirkung, Anwendung & Rechtslage. Wer verstehen möchte, wie das körpereigene Cannabinoid-System grundsätzlich funktioniert, findet Hintergrund im Artikel Das Endocannabinoid-System (ECS) einfach erklärt.

Wie das Endocannabinoid-System Hunger und Sättigung steuert

Bevor man über CBD und Appetit sprechen kann, lohnt sich ein Blick auf das System, in das beide eingreifen. Das Endocannabinoid-System (ECS) ist ein körpereigenes Netzwerk aus Rezeptoren, Botenstoffen und Enzymen, das unter anderem an Schmerzverarbeitung, Stimmung, Schlaf und eben auch der Regulation von Hunger und Sättigung beteiligt ist. Zwei Rezeptortypen stehen dabei im Zentrum: CB1 und CB2.

CB1-Rezeptoren sitzen in hoher Dichte im Hypothalamus, jener Hirnregion, die Hungersignale verarbeitet, aber auch im limbischen System, das für Belohnung und Genuss zuständig ist. Werden CB1-Rezeptoren aktiviert, steigt typischerweise sowohl das Hungergefühl als auch der Genuss beim Essen selbst, Nahrung schmeckt und riecht intensiver. Eine Übersichtsarbeit im Fachjournal Nutrition Research Reviews beschreibt das ECS deshalb als zentralen Regulator von Nahrungsbelohnung, nicht nur von reinem Kalorienbedarf (Kirkham, 2005) [1]. CB2-Rezeptoren, lange vor allem mit dem Immunsystem in Verbindung gebracht, spielen laut einem systematischen Review von 2023 ebenfalls eine Rolle bei der Steuerung der Nahrungsaufnahme, allerdings bislang fast ausschließlich in Tiermodellen untersucht (Rodríguez-Serrano & Chávez-Hernández, 2023) [2].

Körpereigene Endocannabinoide wie Anandamid und 2-AG docken an diesen Rezeptoren an und schwanken je nach Sättigungszustand: Vor einer Mahlzeit steigen ihre Werte an, nach dem Essen sinken sie wieder. Das ECS ist damit kein Nebenschauplatz, sondern Teil eines fein austarierten Regelkreises. Genau in dieses System greifen Cannabinoide von außen ein, THC und CBD auf sehr unterschiedliche Weise.

CBD und THC im Appetit-Vergleich

Der Unterschied zwischen beiden Substanzen liegt vor allem in der Rezeptor-Pharmakologie. THC ist ein CB1-Agonist, es aktiviert den Rezeptor direkt und löst damit exakt jene Kaskade aus, die Hunger und Essgenuss verstärkt. Das ist der pharmakologische Kern des vielzitierten Cannabis-Heißhungers ("Munchies"). CBD dagegen bindet praktisch nicht an CB1 im klassischen Sinn. Eine oft zitierte In-vitro-Arbeit beschreibt CBD sogar als schwachen Antagonisten am CB1-Rezeptor, also als Gegenspieler, nicht als Aktivator (Thomas et al., 2007) [3].

Merkmal THC CBD
Wirkung am CB1-Rezeptor Direkter Agonist, aktiviert den Rezeptor Kaum Bindung, teils schwacher Antagonist
Psychoaktivität Ja, berauschend Nein, nicht berauschend
Appetiteffekt in Studien Zuverlässig appetitsteigernd, gut belegt Uneinheitlich, dosis- und kontextabhängig
Ghrelin (Hungerhormon) Erhöht in mehreren Studien In einer Humanstudie gesenkt, bei gleichzeitig mehr Kalorienaufnahme
Rechtlicher Status in Deutschland Betäubungsmittelrechtlich reguliert Als Kosmetik- und Lebensmittelzutat unter Auflagen verkehrsfähig

Diese Tabelle macht deutlich, warum die Frage "Macht CBD hungrig?" keine einfache Ja-Nein-Antwort erlaubt. THC folgt einem klaren, gut untersuchten Mechanismus. Bei CBD ist die Studienlage kleinteiliger und teilweise gegenläufig, wie der nächste Abschnitt zeigt.

Was die Studienlage zu CBD und Appetit wirklich zeigt

Lange galt die Annahme, CBD sei in Sachen Appetit weitgehend neutral, ein Cannabinoid ohne nennenswerten Effekt in die eine oder andere Richtung. Neuere Arbeiten stellen dieses Bild infrage, ohne es endgültig zu widerlegen.

Humanstudie: Mehr Kalorienaufnahme trotz weniger Ghrelin

Eine 2025 veröffentlichte placebokontrollierte Crossover-Studie mit 15 gesunden Erwachsenen untersuchte, wie sich eine einzelne Dosis von 298 mg CBD auf die tatsächliche Nahrungsaufnahme auswirkt. Die Teilnehmenden erhielten entweder CBD oder Placebo und durften 180 Minuten später bei einem angebotenen Mittagessen so viel essen, wie sie wollten (ad libitum). Ergebnis: Nach CBD-Einnahme aßen die Teilnehmenden im Schnitt 979 Kilokalorien, nach Placebo 786 Kilokalorien, ein Unterschied von rund 193 Kilokalorien. Gleichzeitig waren die Ghrelin-Werte (das appetitanregende "Hungerhormon") nach CBD niedriger als nach Placebo, und das subjektiv empfundene Hungergefühl unterschied sich zwischen beiden Gruppen nicht [4].

📖 Einordnung

Das Ergebnis ist bemerkenswert, weil es dem erwarteten Muster widerspricht: Weniger Ghrelin müsste eigentlich weniger Hunger bedeuten, nicht mehr gegessene Kalorien. Die Studie ist mit 15 Teilnehmenden klein, einmalig dosiert und bildet keine Langzeitwirkung ab. Meine Einschätzung: Das ist ein interessanter erster Datenpunkt, aber kein Beleg dafür, dass CBD im Alltag zuverlässig zu Mehressen führt. Dazu fehlt es an Wiederholungsstudien mit größeren Gruppen und realistischeren Dosierungen, die deutlich unter 298 mg liegen dürften.

Cannabinoide bei krebsbedingtem Appetitverlust

Ein zweites wichtiges Forschungsfeld betrifft Menschen mit krankheitsbedingtem Appetitverlust, etwa im Rahmen einer Krebserkrankung (Kachexie-Anorexie-Syndrom). Hier liegt die Hoffnung nahe, dass Cannabinoide als Appetitstimulans helfen könnten. Ein systematisches Review im Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle wertete die verfügbaren randomisiert-kontrollierten Studien aus und kam zu einem ernüchternden Ergebnis: Für einen statistisch signifikanten Vorteil von Cannabinoiden gegenüber Placebo bei Kachexie-Symptomen reicht die Evidenz bislang nicht aus (Simon et al., 2022) [5]. Vereinzelt zeigten sich positive Effekte auf den Geschmackssinn und das Essverlangen, aber kein konsistentes Bild über Studien hinweg.

Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) empfiehlt in ihrer aktuellen Leitlinie entsprechend zurückhaltend niedrig dosiertes Olanzapin als besser belegte Option bei krebsbedingtem Gewichtsverlust, nicht Cannabinoide als Erstlinientherapie [6]. Das heißt nicht, dass Cannabinoide wirkungslos sind, aber die in Foren oft kolportierte Sicherheit ("Cannabis hilft nachweislich gegen Appetitverlust bei Krebs") ist so pauschal nicht durch die aktuelle Studienlage gedeckt.

⚖️ Was wir wissen, was wir nicht wissen
  • Wissen wir: THC aktiviert CB1-Rezeptoren zuverlässig appetitsteigernd. CBD bindet dort kaum und wirkt überwiegend indirekt auf appetitrelevante Prozesse wie Übelkeit, Stress und Schmerz.
  • Wissen wir nicht: Ob CBD bei wiederholter, alltagsnaher Einnahme (nicht als Einzeldosis von knapp 300 mg) tatsächlich zu mehr Kalorienaufnahme führt und ob dieser Effekt bei allen Menschen gleich ausfällt.
  • Wissen wir: Reine CBD-Präparate zeigen bei krebsbedingter Kachexie bislang keinen statistisch abgesicherten Vorteil gegenüber Placebo.
  • Wissen wir nicht: Welche Rolle CB2-Rezeptoren beim Menschen konkret spielen, die bisherige Evidenz stammt fast ausschließlich aus Tierstudien.

Kann CBD bei Heißhunger helfen?

Heißhunger hat selten eine einzige Ursache. Stress, Schlafmangel, emotionale Belastung und Blutzuckerschwankungen spielen zusammen. CBD greift in diese Kette nicht über das Sättigungszentrum ein, sondern eher über Nebenwirkungen seiner beruhigenden Effekte. Wenn Stress der Auslöser für nächtliche Essanfälle ist, kann eine spürbare Entspannung diesen Trigger abschwächen. Das ist plausibel, aber ein indirekter Mechanismus, kein direkter appetitzügelnder Effekt wie bei manchen verschreibungspflichtigen Präparaten.

Wer aus stressbedingten Gründen zu Heißhunger neigt, findet ergänzenden Hintergrund im Artikel CBD bei Stress: Wirkung, Studienlage & Dosierung. Meine Einschätzung dazu: CBD als alleinige Maßnahme gegen Heißhunger zu bewerben wäre übertrieben, aber als ein Baustein neben Schlaf, Ernährung und Bewegung ist der Ansatz nicht unplausibel, nur eben nicht mit harten Appetitdaten belegt.

CBD bei Appetitlosigkeit: Für wen kommt das infrage?

Appetitlosigkeit kann viele Ursachen haben: Übelkeit, psychische Belastung, akute Erkrankungen, bestimmte Medikamente oder chronischer Stress. CBD wird häufig im Kontext von Übelkeit diskutiert, wobei hier vor allem das gesamte Cannabinoid-Terpen-Profil von Vollspektrum-Produkten untersucht wird, nicht isoliertes CBD allein. Wer weniger unter Übelkeit leidet, isst in der Folge oft automatisch wieder mehr, ein Effekt, der eher der Beseitigung eines Hindernisses entspricht als einer aktiven Appetitsteigerung.

Bei krankheitsbedingtem Gewichtsverlust, etwa im Rahmen einer Chemotherapie, sollte CBD nicht als Ersatz für eine ärztlich begleitete Ernährungstherapie verstanden werden. Wie im Abschnitt zur Studienlage beschrieben, ist die Evidenz für reines CBD bei Kachexie schwach. Bei psychisch bedingter Appetitlosigkeit, etwa im Rahmen von Stress oder leichten depressiven Verstimmungen, ist der indirekte Weg über Entspannung und besseren Schlaf der plausiblere Ansatzpunkt.

Dosierung: Warum die Menge über die Richtung entscheidet

Ein Punkt, der in vielen Ratgebern untergeht: Bei Cannabinoiden ist die Dosis-Wirkungs-Beziehung nicht immer linear. Niedrige und hohe Dosen können unterschiedliche, teils gegensätzliche Effekte auslösen, ein Phänomen, das in der Pharmakologie als biphasische Wirkung bekannt ist. Die zitierte Humanstudie arbeitete mit 298 mg CBD, einer vergleichsweise hohen Einzeldosis, die deutlich über dem liegt, was die meisten Anwender von CBD-Öl im Alltag einnehmen.

Dosisbereich Typische Anwendung Erwartbarer Appetiteffekt
5 bis 20 mg täglich Alltägliche Einnahme, z. B. als CBD-Öl Kein belegter direkter Effekt, allenfalls indirekt über Stress/Schlaf
20 bis 50 mg täglich Höher dosierte Anwender, symptomorientiert Kaum untersucht, individuell unterschiedlich
Ab ca. 150 bis 300 mg (Einzeldosis) In klinischen Studien verwendete Mengen In einer Studie erhöhte Kalorienaufnahme beobachtet

Für Menschen, die CBD Öl zur allgemeinen Unterstützung nutzen, sind die in der Studie verwendeten knapp 300 mg keine realistische Alltagsdosis. Wer mit CBD experimentieren möchte, sollte trotzdem mit einer niedrigen Menge beginnen, etwa 1 bis 2 Tropfen eines 5-prozentigen Öls, und die Dosis über mehrere Tage vorsichtig steigern. Bei bestehenden Essstörungen, starkem unfreiwilligem Gewichtsverlust oder Medikamenteneinnahme gehört die Abstimmung mit einer Ärztin oder einem Arzt vorher in den Ablauf, nicht danach.

Grenzen der Studienlage

Ehrlich betrachtet ist die Forschung zu CBD und Appetit noch dünn. Die meisten belastbaren Humandaten stammen aus einzelnen, kleinen Studien mit einmaliger Dosierung, nicht aus Langzeitbeobachtungen im Alltag. Tierstudien zu CB2-Rezeptoren lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen. Und die Kachexie-Forschung bei Krebspatienten testet meist Cannabisextrakte mit mehreren Cannabinoiden, nicht isoliertes CBD, was die Zuordnung von Effekten auf einen einzelnen Wirkstoff erschwert.

Diese Lücken sind für Anwender kein Grund, CBD grundsätzlich abzulehnen, aber ein guter Grund, Werbeversprechen wie "CBD reguliert deinen Appetit" oder "CBD hilft nachweislich beim Abnehmen" kritisch zu hinterfragen. Seriöse Anbieter formulieren hier zurückhaltender, und genau das sollte auch der Maßstab beim Einkauf sein.

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Häufige Fragen zu CBD und Appetit

Wird man von CBD-Öl hungrig, ähnlich wie bei THC?

Nicht auf die gleiche direkte Art. THC aktiviert den CB1-Rezeptor und löst darüber gezielt Hunger und gesteigerten Essgenuss aus. CBD bindet praktisch nicht auf diese Weise. Eine aktuelle Studie fand zwar eine erhöhte Kalorienaufnahme nach einer hohen CBD-Einzeldosis, allerdings ohne dass die Teilnehmenden subjektiv mehr Hunger empfanden. Das spricht eher für einen unterschwelligen als für einen klassischen Heißhunger-Effekt.

Zügelt CBD-Öl umgekehrt den Appetit?

Belastbare Belege dafür, dass reines CBD zuverlässig appetitzügelnd wirkt, gibt es aktuell nicht. Manche Anwender berichten das subjektiv, oft im Zusammenhang mit weniger emotionalem Essen durch reduzierten Stress. Als eigenständiges Mittel zur Gewichtsreduktion ist CBD wissenschaftlich nicht abgesichert.

Ist CBD bei Appetitverlust durch eine Chemotherapie geeignet?

Systematische Übersichtsarbeiten zu Cannabinoiden bei krebsbedingtem Gewichtsverlust zeigen bislang keinen gesicherten Vorteil gegenüber Placebo. Bei chemotherapiebedingter Übelkeit gibt es differenziertere Leitlinienempfehlungen, die aber ärztliche Verordnung und Begleitung voraussetzen, nicht die Eigeneinnahme von frei verkäuflichem CBD-Öl. Diese Entscheidung gehört in die Hände des behandelnden Behandlungsteams.

Wie lange dauert es, bis sich ein möglicher Effekt auf den Appetit zeigt?

In der zitierten Studie wurde der Effekt bereits 180 Minuten nach einer einzelnen, hohen Dosis gemessen. Bei den deutlich niedrigeren Dosierungen, die in der Praxis üblich sind, lässt sich kein vergleichbarer Zeitrahmen ableiten. Wer CBD wegen indirekter Effekte wie Stressreduktion nutzt, sollte eher in Tagen bis Wochen denken, nicht in Stunden.

Kann man CBD gezielt zum Zunehmen oder Abnehmen einsetzen?

Für beide Richtungen fehlt eine ausreichend robuste Studiengrundlage beim Menschen. Wer gezielt Gewicht verändern möchte, sollte sich nicht auf CBD als Hauptstrategie verlassen, sondern auf etablierte Ansätze aus Ernährung, Bewegung und, bei krankheitsbedingten Ursachen, ärztlicher Behandlung setzen. CBD kann bestenfalls ein unterstützender Baustein sein, kein Ersatz.

Fazit: Kein Appetitzügler, kein Heißhunger-Trigger, sondern ein Sonderfall

CBD lässt sich appetittechnisch nicht in die gleiche Schublade wie THC stecken, und genauso wenig in die Schublade "appetitzügelndes Naturmittel". Die vorliegende Forschung zeichnet ein uneinheitliches Bild: eine Humanstudie mit erhöhter Kalorienaufnahme trotz gesunkenem Hungerhormon, gleichzeitig keine überzeugende Wirkung bei krankheitsbedingtem Appetitverlust in größeren Übersichtsarbeiten. Das ist weniger ein einheitliches Ergebnis als ein Hinweis darauf, dass CBD über mehrere, teils gegenläufige Mechanismen wirkt, deren Nettoeffekt von Dosis, Produkt und individueller Situation abhängt.

Wer CBD ausprobieren möchte, um über Stressreduktion oder besseren Schlaf indirekt zu einem normaleren Essverhalten zu finden, bewegt sich auf einigermaßen solidem Boden. Wer sich von CBD eine gezielte, verlässliche Appetitsteuerung in die eine oder andere Richtung verspricht, überschätzt den aktuellen Kenntnisstand. Bei ernsthaften Essstörungen oder ungewolltem Gewichtsverlust ersetzt kein CBD-Produkt eine ärztliche Abklärung.

📚 Quellen
  1. Kirkham T.C. (2005): "Endocannabinoids in the regulation of appetite and body weight." Behavioural Pharmacology 16(5-6):297-313, zusammengefasst in Kirkham T.C. (2009), "The endocannabinoid system and appetite: relevance for food reward", Nutrition Research Reviews. , PubMed #16148436
  2. Rodríguez-Serrano L.M. & Chávez-Hernández M.E. (2023): "Role of the CB2 Cannabinoid Receptor in the Regulation of Food Intake: A Systematic Review." International Journal of Molecular Sciences 24(23):16924. , PMC10743788
  3. Thomas A. et al. (2007): "Cannabidiol displays unexpectedly high potency as an antagonist of CB1 and CB2 receptor agonists in vitro." British Journal of Pharmacology 150(5):613-623. , PubMed #17245363
  4. Studie (2025): "A single dose of cannabidiol increases ad libitum energy intake in healthy adults but does not affect postprandial glucose or lipid metabolism." Appetite / begutachtete Fachzeitschrift. , PubMed #41825697
  5. Simon L. et al. (2022): "Cannabinoid interventions for improving cachexia outcomes in cancer: a systematic review and meta-analysis." Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle 13(6):2621-2633. , Wiley Online Library
  6. American Society of Clinical Oncology (ASCO, 2023/2024): "Cannabis and Cannabinoids in Adults With Cancer: ASCO Guideline" und Rapid Recommendation Update zur Kachexie-Behandlung. Journal of Clinical Oncology. , ascopubs.org
⚠️ Medizinischer Hinweis und Haftungsausschluss Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und ersetzen keine fachliche medizinische oder ernährungstherapeutische Beratung. CBD ist kein zugelassenes Arzneimittel gegen Appetitlosigkeit, Heißhunger, Essstörungen oder krankheitsbedingten Gewichtsverlust. Bei anhaltenden Appetitproblemen, ungewolltem Gewichtsverlust, Essstörungen, chronischen Erkrankungen, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei gleichzeitiger Medikamenteneinnahme ist Rücksprache mit medizinischem Fachpersonal erforderlich. Stand: Juli 2026.
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